Visuelle Sichtung von Sharpless 91
Da ich mit Christian Ambros, Giovanni Donelasci, Jens
Bohle, Lothar Tryta und weiteren Mitbeobachtern schon am Montag am
Vogelsbergtreffen ´98 ankam, hatten wir in den folgenden zwei Nächten Zeit, um
in Ruhe schwache Objekte im Schwan abzuklappern, ohne dass irgendein Fremder
andauernd die Optik testen oder auch M 13 eingestellt haben wollte. Da
wir alle recht dicht beieienander aufgebaut hatten, konnten wir gut unsere
Beobachtungsgewohnheiten beibehalten (man kennt sich ja von Zuhause). Auch unser
Instrumentarium war ideal gestaffelt: Giovannis 5" Rich-Field Refraktor
(irre, den gesammten Cirrus-Komplex in einem Gesichtsfeld und noch deutlich
Platz am Rand), mein 10"er, Giovannis 13"er und der 20"er von
Jens. Wie Anfangs gesagt, war also der Schwan
als Areal zur Beobachtung mehr oder weniger schwacher Nebel bestimmt.
Als es dunkel genug war (ca. 00:15 Uhr), begannen wir also mit dem Cirrus Nebel,
Nordamerika- und Pelikannebel (toll im 10"er) zum Warmsehen. Dann folgten
NGC 6888, der Crescentnebel (einfach war im 10"er die Form des griech.
Buchstabens "omega" erkennbar (Zeichnung siehe Magellan 1;
Titelblatt)) und Sh 112 (recht einfacher, kleiner Gasnebel mit kometarischer
Form). Jetzt war die Zeit für das Objekt
gekommen, auf welches ich schon die ganze Zeit gespannt war: Den
Supernovaüberrest Sh-91 im südl. Schwan. Wir konnten ihn zwar im letzten
Sommer mehrfach mit dem 12"er der Sternwarte Oldendorfer Berg beobachten,
waren aber jetzt auf den Eindruck unter einem deutlich dunkleren Himmel (fst
< 6,5mag) gespannt. Schnell eingestellt
(man kennt sich ja da aus) und mit einem 20er Nagler und [OIII] Filter
ausgerüstet, war wie im letzten Sommer ein Filament entlang einer Sternkette
quer durchs Okular erstreckt erkennbar. Auch schien es, als würde noch ein
zweiter Bogen nicht ganz parallel zum hellsten Filament laufen, um dann diffus
zu verschwinden. Wir (insg. 6 Beobachter) waren uns aber wegen des ersten
Filamentes nicht ganz sicher, da die Sternkette auch einfach nur einen Nebel
vortäuschen könnte. Die Zweifel wurden aber recht schnell begraben, da im
20"er das Filament in der Sternkette viel deutlicher heraustrat und sich
auch über die Sternkette hinweg erstreckte. Dann
begann langsam die Dämmerung und wir brachen die Tour im Schwan ab. Noch ca.
eine halbe Stunde Galaxien im Großen Wagen (auch mit Supernova, siehe Bericht
in Magellan 1: "Supernovajagd"), dann Mond und zum Schluss noch
Jupiter.
In der nächsten Nacht versuchten wir uns noch an DWB 171+172+177+178+179, einer
Reihe schwacher Nebelsicheln aus dem "Atlas Galaktischer Nebel". Auch
die hatte ich schon letzten Sommer versucht zu beobachten, ich war mir aber auch
diesmal nicht sehr sicher, überhaupt irgendwas Nebliges im Gesichtsfeld
entdeckt zu haben, also: nicht gesehen. Aber
es wird einmal auch bessere Nächte geben...
[1] Stoyan, Supernovareste visuell, interstellarum 4, S. 21
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erschienen in:
Magellan 2/1 April - Juni 1999, Seite 31f